Klassische Reitweise / Barockreiten

Die Klassische Reitweise, auch Barockreiten oder Akademische Reitkunst genannt,  gilt auch als Ursprache zwischen Pferd und Reiter.

Mit der Gründung einer Reitakademie 1552 in Neapel (das damals zu Spanien gehörte) findet die Akademische Reitkunst ihren Ursprung. Im Zeitalter der Reanissance fand dann die Akademische Reitkunst ihren Einzug in die adligen Höfe, fast überall in Europa. Auf den Reitakademien wurde das kunstvolle Reiten unterrichtet, genauso wie Rechnen, Schreiben und Kampfkunst. Die Ausbildung der Pferde beinhaltete die Schulen über der Erde, damals zum militärischen Zwecke. Die kunstvollen Sprünge und das Auskeilen der Pferde wurde so trainiert, dass es als Waffe eingesetzt werden konnte.

In der Barockzeit wurden die Schusswaffen als Kampfmittel erfunden und eingesetzt. Dadurch verlor der Reiter auf dem Pferd, als Kampfmittel, an Bedeutung. Hier begann man die Klassische Reitweise als Kunst anzusehen und es als Vergnügen am Hofe zu betrachten. Schon damals nutzte man vorzugsweise Lippizaner und Spanische Pferde, aber auch Hannoveraner andere Rassen.

Wenige Reitakademien aus der Renaissance-Zeit sind uns heute erhalten geblieben, wie zBsp die Real Escuela Andaluza in Jerez de la Frontera ( Spanien ) und die Spanische Hofreitschule in Wien.

Mit modernen Gedanken und dem heutigen Pferdeverständniss weiterentwickelt, gilt die Klassische Reitweise heute als pferdefreundliche Reitweise.

In der heutigen Klassischen Reitweise arbeitet man ohne Zwang, eine Harmonie zwischen Pferd und Reiter soll bestehen, das Pferd soll mit feinsten Hilfen in die Lektionen gehen.  Die Klassische Reitweise arbeitet mit dem Schwung des Pferdes  und dieser von hinten nach vorn, d.h. Absenkung der Kruppe, Übertreten der Hinterbeine und Aufrichtung des Halses. Die Klassische Reitweise legt dabei großen Wert auf einfühlsames Reiten, feine und unsichtbare Hilfengebung.

Die höchste Ausbildung des Pferdes, in der Klassischen Reitweise, ist die Hohe Schule.

Jedes Pferd ist für die Klassische Reitweise geeignet und jedes Pferd Englisch gerittene Pferd kann auf diese Reitweise umgestellt werden. Die sogenannten Barockpferderassen wirken mit Ihrer Anmut besonders graziös in dieser Reitweise. Barockpferderassen sind u.a. Lippizaner, Andalusier, Pura Raza Espanola, Lusitano, Knabstrupper und Friesen. Viele dieser Rassen wurden bereits vor 4 Jahrhunderten für die Akademische Reitkunst genutzt.

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Gute Reitlehrer der Klassischen Reitlehre sind in jeder größeren Stadt, in jedem PLZ-Bereich zu finden. Es muss nicht unbedingt Philippe Karl oder Bent Branderup persönlich sein, der Ihnen Unterricht gibt. Diese beiden großen Meister der Klassischen Reitweise haben Ihre eigene Trainerakademie. Philippe Karl bildet u.a. deutsche Reitlehrer in der Légéreté aus und Bent Branderup gründete vor Jahren die Ritterschaft, eine Trainervereinigung für die Akademische Reitunst.

Bekannte Größen der Klassischen Reitweise :

Philippe Karl: Französischer Reitmeister, der 2004 die Schule der Légèreté erfand, seine eigens entwickelte Reitlehre, aufgebaut auf die Grundlagen der Klassischen Reitweise. Ein deutliches Zeichen der Lègéreté ist die hohe Hand, die als Mittel zur Korrektur und Biegung genutzt wird. Durch die hohe Hand soll das Pferd zum Abkauen angeregt werden, was wiederum zu einem entpsannten Kiefer des Pferdes führt. Außerdem werden in dieser Reitweise von Philippe Karl die Hilfen getrennt, Hand und Bein arbeiten nie zusammen, nur getrennt. Das Pferd soll mit kleinstmögichen Aufwand die gewünschten Lektionen ausführen, die Hilfengebung soll minimal funktionieren.

Bent Branderup: Der gebürtige Däne lebt heute in Deutschland. Bent Branderup gilt als einer der besten Ausbilder in der Klassischen Reitweise.  Seine eigene Ausbildung in der Akademischen Reitkunst erwarb Bent Branderup in der berühmten Real Escuela Andaluza, der königlichen Hofreitschule in Jerez de la Frontera / Spanien.  Berühmt ist das Bild von Bent Branderup und seinem Knabstrupper-Hengst Hugin. Ein wunderschöner Tigerschecke - Knabstrupper, der leider durch einen Unfall schwer geschädigt wurde und auch noch blind wurde - Bent Branderup brachte diesen Hengst trotzdem bis zur Vollendung der Hohen Schule - imposant und graziös - eine Augenweide für jeden Fan des Barockreiten s. Sein Leitspruch: Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur.

Alois Podhajsky: Der Bosnische Reiter wurde Offizier der Österreichischen Armee und später Leiter der Spanischen Hofreitschule, er starb 1973 in Wien. 1939 übernahm Podhajsky die Leitung der Hofreitschule,  unter seiner Leitung wurden im 2. Weltkrieg die Lippizaner aus Wien evakuiert. 1980 brachte der Rohwolt Verlag mit ihm den Leitfaden der Klassischen Reitweise heraus, das berühmte Buch ” Die Klassische Reitweise “.  Hierdrin beschrieben sind die Regeln der Spanischen Hofreitschule in Wien, nach der die berühmten weißen Hengste, die Lippizaner , in der Spanischen Hofreitschule ausgebildet werden.

Egon von Neindorff: Der letzte deutsche Reitmeister starb 2004. Er vermittelt in seinem Buch ” Die reine Lehre der Klassischen Reitkunst ” das Wissen das davor nur am Reitinstitut in Karlsruhe weitergeben wurde. Das Reitinstitut in Karlsruhe wurde nach dem Tode des Reitmeisters von dessen Stiftung übernommen und weitergeführt, jetzt unter dem Namen: Reitinstitut Egon von Neindorff Stiftung. Leitspruch des Egon von Neindorff: Man kann das Reiten nicht erlernen, man muss es studieren. Egon von Neindorff war Inhaber des Bundesverdienstkreuzes und des Deutschen Reiterkreuzes in Gold.