Pferdezucht
Zuchthengste
Hengste die von den Zuchtverbänden zur Pferdezucht zugelassen werden, müssen einige Prüfungen meistern. Der erste Schritt in Richtung “Deckhengst” ist die Körung. Hier prüft der Zuchtverband das Exterieur und die Zuchttauglichkeit. Bewertet wird Aussehen, Rasseeigenschaften, Körperbau und Gesundheit mit einer Wertnote von 1-10 (10 ist die beste Wertnote). Wenn diese Prüfung bestanden ist, bedeutet das: Der Hengst wurde vom Zuchtverband gekört. Per Ausschlussverfahren werden Hengste aussortiert, die die Prüfung als “nicht gekört” abschließen. “Vorläufig nicht gekört” werden Hengste, von denen der Zuchtverband erwartet, das sie nach einer bestimmten Frist erneut zur Körung vorgestellt werden.
Die Pferde die vorgestellt werden, müssen mindestens 3 Jahre alt sein.
Der nächste Schritt zum Deckhengst ist die Hengstleistungsprüfung für Reitpferde. Ein gekörter Hengst kann zur Hengstleistungsprüfung angemeldet werden. Die Hengstleistungsprüfung ist eine 70-Tage Stationsprüfung, das Pferd wird unter dem Reiter geprüft. Abgenommen wird die Hengstleistungsprüfung von der FN.
Die Hengstleistungsprüfung für Reitpferde besteht aus 3 Teilen: Vorprüfung, Fremdreitertest, Leistungstest. Geprüft wird das Interieur, die Dressur- und Springveranlagung und die Geländetauglichkeit.Ermittelt wird ein Gesamtergebniss, eine Note für Dressur und eine fürs Springen.
Hengste mit bestandener Hengstleistungsprüfung erhalten die offizielle Zulassung zur Zucht, des jeweiligen Zuchtverbandes. Diese Hengste können in privaten Deckstationen untergebracht werden und dort als Deckhengst “tätig” werden. Hengste die in Landesgestüten decken, befinden sich oft im Staatsbesitz.
Die Deckstation
Auf einer Deckstation sind die Zuchthengste untergebracht. Ca. 80 % der deutschen Warmblutstuten werden heute künstlich besamt. Als Vorteile gegenüber dem sog. Natursprung werden Verletzungsgefahr und Hygiene genannt. Meist wird die künstliche Besamung auf der Deckstation durchgeführt.
Stutenbesitzer zahlen für das decken eine Decktaxe.
Das Landesgestüt
In alter Tradition werden auf den jeweiligen Landgestüten Hengste für die Zucht gehalten. Ziel der Landesgestüte, die sich im Staatsbesitz befinden, ist die Erhaltung und Reinhaltung der jeweiligen Pferderasse. Auch werden auf den Landesgestüten die Hengstleistungsprüfungen durchgeführt. Eine weitere wichtige Aufgabe der Landesgestüte ist die Förderung des Pferdesport, die Durchführung von Turnieren und Lehrgängen.
Zuchtstuten
Mit einem Pferd sollte nur dann gezüchtet werden, wenn besondere und gute Merkmale des Pferdes fortgepflanzt werden sollen. Dazu gehört zBsp ein ausgeglichener Charakter, gute Veranlagung für den Pferdesport ( Dressur / Springen ), ein wunderschönes Exterieur oder ausgeprägte Gangarten.
Wenn ein privater Pferdebesitzer mit seiner Stute züchten möchte, sollte diese Entscheidung gut durchdacht sein und auch der Hengst sorgfältig auserwählt werden. Gewinnbringend ist so eine private Pferdezucht fast nie. In den Kostenplan muss die Decktaxe, Tierarztkosten und der Unterhalt bis zum Verkauf mit eingerechnet werden.
Auf Gestüten werden viele Zuchtstuten gehalten. Die Gestütsbesitzer leben vom Gewinn, den die Fohlen erbringen. Da die Pferdezucht hier kommerziell verläuft, sind die Stuten laufend tragend. Ist ein Fohlen bei Fuß, wird oft schon die nächste Besamung vorgenommen.
Die Mutterstute hat in der Pferdezucht wenig Bedeutung. Für den Wert eines Fohlens zählt meist ein guter Vater. Jedoch wird erwartet, dass die Mutterstute reinrassig ist und ebenfalls eine gute Abstammung hat.
Fohlenaufzucht
Dem neugeborenen Fohlen sowie der Mutterstute sollte Ruhe gegönnt werden. D.h. Boxenruhe und Einzelweide. Nach ein paar Wochen können Fohlen und Mutterstute in eine Stutenherde integriert werden. Auch kann die Stute nach einigen Wochen für eine Stunde am Tag getrennt werden und darf wieder geritten werden. Über den richtigen Zeitpunkt zum Absetzen gibt es viele Meinungen. Professionelle Züchter machen das Absetzen oft im Herbst, wenn die Weidezeit beendet ist, die Fohlen sind dann in etwa 6 Monate alt. Die sanfte Methode des Absetzen ist sicher das schrittweise Absetzen, die Methode funktioniert so, dass das Fohlen zunächst über einen bestimmten Zeitraum von ca. 2-3 Wochen Stundenweise getrennt wird. Die Stundenzahl wird innerhalb der Frist erhöht. So kann sich der Körper der Stute darauf einstellen, das die Produktion der Muttermilch langsam abgebaut wird. Beim plötzlichen Absetzen wird das Fohlen ohne Vorbereitung von der Mutter getrennt und mit anderen Absetzern in einem Offenstall, Laufstall o.ä. untergebracht. Der Trennungsschmerz beider Seiten ist sicher größer beim plötzlichen Absetzen. Für das Fohlen ist es sicher das beste, in einer Herde mit gleichaltrigen jungen Pferden aufzuwachsen, bis zum Alter von 3 Jahren.
Brandzeichen
Seit Jahrhunderten werden Brandzeichen zur Kennzeichnung von Pferden und Rindern genutzt. Heute nutzt man Brandzeichen in Nord-Europa zur Rasse-Kennzeichnung. Beim “Brand” wird auf die Haut des Pferdes ein glühendes Eisen gedrückt. Das Rasse-Zeichen wird auf die Haut gebrannt und so lebenslang sichtbar bleiben. Alternativ und modern ist die Methode des Kaltbrand, hier wird ein nur 80 Grad heißes Eisen angewendet, das Zeichen brennt sich nicht so stark in die Haut ein, wird aber durch weißes Fellhaar sichtbar.




